Ostgrönland

Ostgrönland wird von den Inuit aus Westgrönland Tunu bezeichnet, was so viel wie die „Rückseite“ Grönlands bedeutet. Zwar ist die Destination Ostgrönland nur etwas mehr als eine Flugstunde von Island entfernt, aber die Kultur und die Landschaft wirkt wie von einer anderen Welt. Tatsächlich ist es eine der abgelegendsten Gegenden der Welt. Dieser wunderschöne Teil von Grönland ist wesentlich einsamer und ursprünglicher als der Westen.  Dominiert vom Inlandeis, steilen und schroffen Gebirgsketten, tiefblauen Fjorden mit unzähligen Eisbergen ist die Ostküste das Zuhause von nur 3500 Menschen. Entlang der Küstenlänge von über 20.000 Kilometer gibt es nur zwei „Städte“ und fünf kleine Siedlungen. Grund für die spärliche Besiedlung: Ostgrönland liegt zwischen dem Inlandeis und dem Nordpolarmeer. Der kalte Ostgrönlandstrom bringt in den Sommermonaten große Treibeismengen mit sich, im Winter sind die Fjorde überwiegend gefroren.  Versorgungsschiffe erreichen die Ostküste nur in den Monaten zwischen Ende Juni und Oktober.

Noch bis vor ungefähr 120 Jahren lebten die Ostgrönländer abgeschnitten vom Rest der Welt, was ihre Region, ihre Kultur, ihre Sprache und ihr Kunsthandwerk stark geprägt hat. Entdeckt wurde Ostgrönland vom dänischen Marineoffizier und Entdecker Gustav Holm (1849-1940). In den Jahren 1883 bis 1885 reiste er mit einigen Grönländern ausgehend von Nuuk, die Hauptstadt in Westgrönland, nach Ostgrönland. Dabei entdeckte er im heutigen Gebiet „Ammassalik“ eine bis dahin völlig isolierte Gruppe von ca. 400 Inuit. Diese dachten damals, dass sie die letzten Menschen auf der Erde sind. Holm nahm die grönländische Ostküste für die dänische Krone in Besitz und benannte das Gebiet „Kong Christian IX Land“. Da für die Entdeckungsreise Umiaks (Frauenboote) eingesetzt wurden, ist sie auch unter dem Namen „Frauenbootexpedition“ bekannt geworden.

Wer nach Ostgrönland reisen möchte, sollte Geduld, Gelassenheit und Flexibiliät mitbringen, denn in dieser wilden Region bestimmt die Natur die Regeln. So kann es unter anderem vorkommen, dass die kleine Propellermaschine von Air Iceland aufgrund von Nebel und starken Winden nicht in Kulusuk landen kann oder man erst Tage später Island verlässt.