Das Logistikteam während der MOSAiC Expedition

Vielleicht hat sich der ein oder andere schon gefragt, was unsere genauen Aufgaben während der Expedition sind. Wir unterstützen zum einen logistische Aspekte von MOSAiC und übernehmen zum anderen auch einige der Eisbärwachen auf dem Eis, die zwischen den meisten Teilnehmern der Expedition rotieren. Geht es dabei darum die Tiere zu beschützen oder die Wissenschaftler, die auf dem Eis arbeiten? Nun ja, Beides hat seine Richtigkeit.

Zu jedem Zeitabschnitt der MOSAiC-Expedition gehört neben den wissenschaftlichen Teams und der Besatzung der Polarstern auch ein sogenanntes Logistik-Team, bestehend aus ca. sechs bis acht internationalen Persönlichkeiten. Die Meisten von uns bringen Guide-Erfahrung in Grönland, Spitzbergen und Skandinavien mit, leben den alpinen Sport und haben zum Teil auch einen naturwissenschaftlichen Background. Der sichere Umgang mit einem Gewehr ist ebenso erforderlich.

Unser Tagesablauf passt sich dem Zeitplan der Wissenschaft an. Daher treffen wir uns täglich um 18.30 Uhr für das „general meeting“ im Kinoraum der Polarstern, wo wir den nächsten Tag besprechen und planen- immer mit Rücksicht auf die aktuellen Wetterverhältnisse. Des Weiteren treffen sich alle, die auf das Eis gehen am Folgetag um 8.30 Uhr- es kann sich in der Arktis schließlich schnell etwas ändern und dementsprechend müssten wir die Pläne situativ anpassen.

Der Tag von uns Logistikteam-Mitgliedern schaut zum Beispiel wie folgt aus:

Wache auf dem Eis: Die Eisbärenwache auf dem Eis beträgt circa drei bis sechs Stunden. Bei festen Stationen, wie Ocean City, Met City oder ROV City stehen wir allerdings nie länger als drei Stunden am Stück draußen, da es sehr ermüdend wird, lange in die grau weiße Monotonie zu starren. Bei nebligen Bedingungen, welche im Übrigen zu 90 Prozent auftreten (in den Sommermonaten) ist es noch mal eine andere Herausforderung, da die Zeit zum Reagieren bei einer Begegnung kürzer ist. Sonne und Weitsicht sind natürlich angenehmere Parameter für einen Eisbärenwächter und für die Wissenschaft. Vitamin D tanken ist wichtig und ein paar Sonnenstrahlen sorgen für viel Euphorie.
Bei anderen Aktivitäten auf dem Eis, wie beim beliebten Transect (einmal um die Scholle gehen) oder bei einem Helikopterflug zu einer benachbarten Scholle sind die Wachzeiten länger. Schließlich haben wir viel mehr Abwechslung, bleiben in Bewegung und kühlen dadurch auch nicht so schnell aus.

Wache auf der Brücke: Während der „Bridge-Watch“ koordinieren wir die Teams  auf dem Eis, sind immer über das VHF-Radio verfügbar und somit Hauptsprechzentrale. Über ein sogenanntes Trip-Log-System haben wir über einen Laptop den Überblick, wer und wie viele von uns das Schiff verlassen haben und zurückgekehrt sind. Jedes Team muss sich beim Verlassen der Gangway und bei der Ankunft wieder bei bei der Brückenwache ab- oder anmelden. Da die Brücke der höchste Punkt vom Schiff ist, haben wir von dort oben eine gute Übersicht über die Teams (solange es nicht zu neblig ist). Wir werden von frei verfügbaren Wissenschaftlern als „Bridge Lookout“ unterstützt, die uns beim Ausschau nach Eisbären unterstützen. Wenn das Wetter sich ändert und es zu neblig wird, benachrichtigen wir die Expeditionsleitung, die situativ darüber entscheidet, ob wir die Teams „nach Hause“ zurückholen.

Wache auf dem Heck des Schiffs: Am Achtern der Polarstern wurde für die Expedition eine kleine Hütte, die sogenannte „stern hut“ aufgebaut. Diese hat ein Fenster und von dort halten wir mit dem Fernglas Ausschau. Da die „Bridge Watch“ nicht die gesamte Umgebung mit dem Fernglas abdecken kann, ist die Wache in der „stern hut“ notwendig. Sollte es zu einer Eisbärenbegegnung kommen oder etwas anderes auf dem Eis passieren, sind wir vom Heck des Schiffes am schnellsten auf dem Eis und können somit auch schneller reagieren.

Wie regiert man bei einer Eisbärenbegegnung?

Jede Eisbärenbegegnung ist eine andere und dies ist stark situationsabhängig. Generell wird alles Mögliche versucht, um Schaden zu vermeiden. Sicherheit und Schutz für die Menschen und den Bären stehen an erster Stelle. Daher gibt es ein umfangreiches Eisbärensicherheitskonzept, wie die Brückenwache für den Überblick und den „stern lookout“ auf der Heckseite des Schiffes. Wie weiter oben im Text beschrieben, wird jede Gruppe auf dem Eis von einem zusätzlichen Eisbärenwächter unterstützt. Bei guter Sicht können wir schon viel früher reagieren, ohne dass man überhaupt eine Signalpistole einsetzen muss. Im Notfall setzt man die Leuchtpistole ein und damit kann der Eisbär vertrieben werden. Das Eisbärenthema ist nicht nur auf dem arktischen Ozean relevant, sondern betrifft auch Wandergruppen auf dem arktischen Festland. Wenn man scharf schießen müsste, hat man schon deutlich vorher einiges falsch gemacht. Es geht in erster Linie darum, den Kontakt insgesamt zu verhindern. Wird ein Eisbär gesichtet, bevor die Gruppe auf die Scholle geht, wird das Programm gestrichen und die Arbeit erst fortgesetzt, wenn das Tier außer Sichtweite ist und keine Gefahr für den Menschen darstellt. Es ist in der Tat ein heikles Thema und die Eisbärenwächter tragen eine große Verantwortung für Mensch und Tier. Während unseres Zeitabschnittes (Leg4) hatten wir über 20 Eisbärenbegegnungen. Glücklicherweise liefen alle harmlos ab und die meisten Besuche haben nachts stattgefunden. Ein paar Mal mussten wir den Rückzug auf der Scholle antreten, aber auch das lief dank des Sicherheitskonzeptes sehr gut ab.

Weitere Tätigkeiten im Logistikteam

Einmal in der Woche hat jeder von uns die Ehre, als „Watchwoman“ oder „Watchman“ zu fungieren. Das heisst, wie laufen durch diverse Stationen des Schiffes, überprüfen die Überlebensanzüge, laden die VHF-Radios auf und sortieren einiges an Equipment. Auf der Brücke checken wir nochmal, ob alle Ferngläser gezählt und an ihrem Platz zurückgelegt wurden. Des Weiteren reinigen wir die Waffen, welche in einem Safe eingeschlossen sind.
Wir müssen auch für den Expeditionsleiter und den Wachoffizier auf der Brücke telefonisch erreichbar sein und ein nächtlicher Anruf kommt hin und wieder vor. Beispielsweise werden wir bei Eisbären in Schiffsnähe geweckt oder auch, wenn wir den Strom für die Messstationen abschalten müssen. Einige Stationen, wie ROV City, MET City und auch Remote Sensing werden mit langen Stromkabeln, welche vom Schiff zu den Stationen laufen, versorgt. Einmal hat sich eine dicke Scholle unter die Polarstern gedrückt und somit das Schiff von der Ursprungsposition weggeschoben. Das Schiff konnte nicht mehr an der Scholle gehalten werden und somit mussten wir schnellstmöglich die Kabel voneinander trennen, damit es nicht zum Abriss kommt.
Ansonsten helfen wir der Wissenschaft beim Auf- und Abbau der Messtationen sowie der Crew bei logistischen Aufgaben.
Während unserer freien Zeit sind wir regelmäßig im Fitnessraum anzutreffen, im Roten Salon beim Socializen oder wir schauen einen Film im Kinoraum. Natürlich zieht man sich hin und wieder zurück, um für sich zu sein.
Das Leben auf dem Schiff ist eine andere Welt, ein Mikrokosmos in einer faszinierenden und doch einsamen Gegend. Für den Einen mag die endlose Weite und der Nebel vielleicht abschreckend sein, aber es sind wie immer die Menschen, die solche Erlebnisse zu etwas ganz Besonderem machen. Während meiner Zeit auf der Polarstern habe ich einen unglaublichen Teamspirit erfahren, von dem ich heute noch zehre.

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